Es war einmal ein Glücksradar…

Leute von heute was soll ich sagen, man kann im Leben nichts planen! Im letzten Post habe ich euch von der OP erzählt.
Die 10 Tage habe ich brav abgesessen und mich abends wie verrückt auf das Fädenziehen am nächsten Tag gefreut. Der Arzt schnitt den Verband auf und sagte „oh“. Bei diesem simplen Ausdruck war mir direkt alles klar. Mein Glücksradar hat wieder zugeschlagen, ich hatte den Jackpot gewonnen.
Zu deutsch: Die Wunde hatte sich entzündet, die Naht klaffte auseinander und die Fäden spielten Deko. Den krönenden Feinschliff machte die appetliche Eitersuppe überall. Da saß ich nun mit dem Dilemma. Laufen rückte wieder in weite Ferne. Die neue Anordnung lautet: tägliche Iodbäder und mehrfacher Verbandswechsel, regelmäßige Kontrollen beim Arzt und weiterhin brav hochlegen. Wenn ich all das Befolge zeigt sich mein Bein hoffentlich kooperativ.

Was lernen wir daraus? Der Körper nimmt sich die Zeit und die Energie die er braucht. Ob es einem nun passt oder nicht. Bei mir heißt das noch weitere drei Wochen ohne Prothese. Freude sieht anders aus, aber man muss das akzeptieren. Es dauert so lange wie es dauert und dass man auf einer offenen Wunde nicht laufen kann ist reine Logik.

Woher kommt jetzt dieser komische Begriff mit dem Glücksradar? Gute Frage, der kam mir irgendwann mal in den Sinn. Man kann sagen ich ziehe scheinbar solche Dinge magnetisch an. Wenn etwas unwahrscheinlich ist, macht es das für mich umso wahrscheinlicher.
Damals im Krankenhaus hatte ich Amputationen an vier Gliedmaßen parallel. Rechts hatte ich noch das Fersenbein. Mein langes Bein war also noch länger. Das sollte aber nicht so bleiben, weswegen mich der MRSA-Keim besuchte und mein Gelenk als besonders heimisch empfand. Trotz hunderter Spülungen beim Verbandswechsel und im OP blieb er standhaft. Resistenter Keim eben. Das dieser den Knochen befallen hatte, erschwerte die Sache, da hier die natürliche Spülung der Durchblutung fehlt, der Körper also auch Schwierigkeiten mit der Selbstbekämpfung hat. Das Ende vom Lied war dann eine Nachamputation. Die habe ich aber damals nicht so realisiert.

Jahre später hatte ich eine normale, ambulante OP um die Weisheitszähne zu entfernen. Die mussten raus, wie eben bei vielen anderen auch. Vollnarkose war nicht nötig und nach ein paar Spritzen mehr als üblich war dann auch irgendwann alles betäubt. Danach folgten die üblichen Anweisungen zur Pflege und der Hinweis, es könnte sich eventuell nachentzünden, das sei aber äußerst selten, da müsse man schon wirklich Pech haben. Und jetzt ratet bei wem es sich gleich vier Mal nach entzündet hat? Here she is!

Als mit 18 Jahren meine Phantomschmerzen ihr Comeback erlebten (das kann passieren), probierte ich mit einem Schmerzarzt vieles aus um diese in den Griff zu bekommnen. Ein Patentrezepet für diese Art Schmerz gibt es nicht, ich glaube das habe ich in einem anderen Beitrag schon thematisiert. Teil der Versuchsreihe war ein Pflaster mit Capsaicin. Das ist ein Wirkstoff aus der Chilischote. Das ganze hält wenn es funktioniert ca. drei Monate. Die Behandlung wird ambulant betreut und mit leichten Schmerzmitteln begleitet da es brennen kann(Chili eben). Mir wurde gesagt,meistens merke man erst nach 15 Minuten etwas. 10 Minuten später ging ich an die Decke. Meine Nervenenden, mein Gehirn und was auch immer, sind so dermaßen eskaliert, das ich vor Schmerz fast kollabiert wäre. Bei solchen Aktionen liefer ich gerne die ganz große Show.;)

Naja und nun sitze ich eben hier und kuriere die Entzündung meines frischoperierten Beins aus. Ich hoffe allerdings das wars dann vorerst. Ich möchte euch keinesfalls vollheulen, das ist nicht der Zweck dieses Blogs, das steht auch in der Beschreibung! Allerdings muss man wissen, dass solche „Rückschritte“ dazu gehören. Ich bin amputiert und ich bin behindert. Nicht immer fühle ich mich so, nicht immer ist mir das so klar wie jetzt. Aber es gehört dazu und deswegen werde ich es nicht vorenthalten oder beschönigen.
Ende der Durchsage!

Ganz liebe Grüße,
eure Lisa :*

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