I ain’t got no time for this

Eigentlich wollte ich schon vor einer Ewigkeit weiter bloggen. Ihr seht ja wie gut das geklappt hat…
Mein Studium hat nun endlich angefangen und es ging sofort richtig rund. Ist zwar super um nicht an anderen lästigen Quatsch zu denken, aber man kommt halt auch sonst zu Nichts. Naja jetzt sitze ich nach einem Arzttermin im Wiesbadener Kurpark und schreibe endlich mal wieder.20151106_104607 Leider hab ich die Hälfte der Dinge über die ich schreiben wollte schon wieder vergessen… Ich fang einfach mal irgendwo an:

Im Oktober war ich das erste mal auf einem Kreisreiterball, da galt es sich mal wieder richtig raus zu putzen und unter Beweis zu stellen, dass man nicht immer mit Gummistiefeln und Stroh an den Klamotten umher rennt. Ich behaupte das ist mir gelungen. Ich hab also mein Abschlussballkleid von der Mittelstufe ausgeführt, selbstverständlich mit den passenden Hacken dazu. Da ging das Drama ja schon los:
Erst hab ich zu spüren bekommen, dass ich zu wenige Fingernägel habe um Riemchen-Schuhe zu schließen, ganz großes Kino so unter Zeitdruck wenn man ohne Schuh nicht laufen kann, also auch nicht weiter stylen ohne den blöden Schuh. Meine Mutter konnte mich aus dieser misslichen Lage retten. Die Erleichterung hielt allerdings nur kurz, denn in dem Moment, als ich euphorisch aufstand, pikste es gewaltig in der Prothese. Ich hatte das Gefühl links direkt auf meinem Knochen zu stehen. Wieder mal zu blöd zum Liner(das Silikonstrumpfding) anziehen, war mein erster Gedanke. Normal lässt sich das dann schnell beheben. Ich also wieder hingesetzt und die Prothese neu angezogen-wieder Schmerzen. Irgendwann traf mich dann die Erkenntnis, dass ich den Abend wohl so überstehen musste, wenn ich keine Turnschuhe zum Ballkleid tragen wollte. Ich also wie ein Storch da herum gestarkst, weil es so weh tat. Der Spruch „Wer schön sein will muss leiden“ erhielt so besonderen Nachdruck. Wäre eventuell intelligent gewesen die Absatzprothesen vorher nochmal zu probieren und nicht erst kurz vor dem Event. Da ich die nur alle Schaltjahr anhabe, war es eigentlich vorhersehbar, dass sie eventuell nicht mehr optimal passen. Hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer!
Glücklicherweise war der Ablauf aber ähnlich einer Gala und man saß größtenteils an einem Gruppentisch und hat getrunken, optimal für Faule, Gehbehinderte oder auch beides zusammen. Dazu würde ich mich dann wohl zählen. 😀                                                  
Naja ich habe es gut überstanden und es war auch wirklich nett, man trifft dort einige bekannte Gesichter.

Sonntags habe ich meine beste Freundin in ihrer neuen Wohnung besucht. Die befindet sich im Dachgeschoss eines mindestens vierstöckigem Hauses, ohne Aufzug natürlich.
Bis ich also da hoch gekraxelt bin verging ein wenig Zeit, oben angekommen habe ich mich gefühlt wie nach einem Halbmarathon. Treppen sind einfach blöd für mich irgendwie.
Nach einem gemütlichen Bummeltag bin ich abends dann wieder heim gefahren, in freudiger Erwartung des Montags.
Seit der Erstsemesterparty auf der ich war, sind meine Beine irgendwie ziemlich beleidigt. Da war ich auch wirklich lang unterwegs und musste ewig anstehen, trotzdem finde ich ein paar Tage Schmerzen wären völlig ausreichend. Aber nein, ich merks immernoch. Das unpraktische daran ist, das ich laufen muss um von A nach B zu kommen. Sowas wie Rollstuhl steht für mich nicht zur Debatte. Auf meinem Unicampus ist leider alles sehr weitläufig und obwohl ich das Glück habe, dass das meiste im selben Gebäude ist, muss ich allein zur Toilette jedes Mal gefühlt einen Kilometer laufen. Komischerweise gibt es bei unseren Seminarräumen nur eine Männertoilette und bei der nächsten WC Anlage sogar zwei Männerklos neben einem vereinsamten Damenklo. Die Logik dahinter ist weder meinen Kommilitoninnen, noch mir so wirklich aufgegangen. In einem Anflug der Rebellion haben wir ein Unisex-Schild an der Tür montiert. Das war aber am nächsten Tag wieder weg. Ich habe mich gewundert in welcher Form der Campus denn nun barrierefrei ist und habe nach ein paar Tagen sogar mal ein Behinderten-WC gefunden. Am andern Ende des Traktes, Jackpot!
Mittlerweile habe ich mich mal erkundigt, welche Ausgleichsmöglichkeiten es denn gäbe. Treppenvermeidung klingt zwar gut, aber einen Aufzug hab ich bislang nicht entdeckt. So richtig sicher ob ich möchte, dass ein Raumwechsel veranlasst wird, bin ich mir aber auch nicht…
Die letzten Tage war das Laufen aber wirklich wieder in Ordnung, dank eines simplen Tricks der die Prothese angenehmer macht. Aber man darf ja nicht nur von 12 bis mittags denken. So eine Druckstelle und Konsorten bildet sich im Nullkommanichts. Naja ich bin mal gespannt wie ich das den Rest des Studiums dann lösen werde.

Zum Abschluss für heute noch ein paar super News:

Ich bekomme gerade richtig tolle Prothesen angefertigt und stand mittlerweile auch schon drauf. Ultra cool! Die Beine sind federleicht und sitzen mit so einem Kniekappen-Vakuumsystem wie eine zweite Haut. Am aller besten ist aber die Federung. Mit minimaler Belastung fühlt es sich schon so an, als hätte ich wieder meine Knöchel, kann den Fuß also richtig abrollen. Das ermöglicht ein viel dynamischeres Laufen. So spacig wie sich das anfühlt sehen die auch aus.

meine Rennbeine

Vielleicht kennt ihr die so genannten Blades!? Das sind die löffelartigen Federn mit denen die bei den Paralympics immer rennen. Damit kann man aber nicht still auf der Stelle stehen. Meine sind eine Art Kombi. Ich kann auch sehr viel Energie über die Feder erzeugen, aber ich kann mit Laufschuhen auch ganz normal gehen und stehen. Optisch fühlt man sich da wie „bionic women“, aber ich glaube da gewöhne ich mich dran. Ich kanns kaum abwarten bis ich die voll austesten kann! Mein Pony wird bestimmt doof gucken wenn ich auf einmal neben ihr her rennen kann. Das dauert aber noch ein bisschen.
Ich versuche wirklich in Kürze wieder zu schreiben, dann kann ich die Themen auch besser einteilen und aktueller berichten. Jetzt ist der Text aber schon wieder so ewig lang und auf der Uhr ziemlich spät, deswegen beende ich hier diesen Beitrag.
Ich freue mich immer über Feedback und beantworte auch gerne Fragen.
Wenn ihr also Anregungen habt, dann teilt sie mir ruhig mit.
Hoffentlich war der Beitrag trotz der Länge interessant, up to date seid ihr jetzt jedenfalls wieder. 😉
Bis die Tage 🙂

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